
Am elften März bot die Eröffnung der diesjährigen Kunstaustellung Gelegenheit, sich von der Vielfalt kulturellen Schaffens am Gymnasium Michelstadt im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild zu machen. Organisiert durch den Kunst-Leistungskurs der Q4 unter Leitung von Katharina Klipstein, bekamen so Werke aus sämtlichen Kunstkursen der Oberstufe ebenso wie musikalische und schauspielerische Talente eine Bühne.
Nach einer kurzen Eröffnungsrede von Elisabeth und Anna Landgraf, in der das Thema der Ausstellung Form follows Feelings erläutert wurde, sorgten Nehir Günay und Ida Herrmann mit ihrer Version von „Zombie“ von The Cranberries für den musikalischen Rahmen. Vervollständigt wurde das kulturell dichte Programm durch eine performative Präsentation des DSP-Grundkurses der Q4 von Grit Metzler. Beeindruckend machten die Darstellerinnen Gewalt an Frauen zum Thema ihrer Darbietung, indem sie sich auf konkrete reale Fälle, teils mit biographischem Hintergrund, bezogen und dazu auch vorab anonym gesammelte Erfahrungen aus der Schülerschaft einbauten.
Dass es sich bei der Präsenz der verschiedenen künstlerischen Darstellungsformen nicht bloß um ein sorgsam arrangiertes Nebeneinander, sondern vielmehr um ein übergreifendes Miteinander handelte, verdeutlichte die Installation von Nehir Günay, die in der bedrückenden Enge eines gemauerten Kellerraums ebenfalls auf übergriffiges Verhalten gegenüber Frauen hinwies und die häufig – zumindest äußerlich – unsichtbaren Folgen in Gestalt von blutroten Handabdrücken auf einem vormals schneeweißen Hemd verdeutlichte. Der im Hintergrund laufende Film, der zeigt, wie die Abdrücke auf die wehrlose Trägerin des Hemdes gelangt sind, tat sein Übriges, um die ebenso ernste wie wichtige Botschaft zu unterstreichen. Darüber hinaus bot die Ausstellung vielfältige Einblicke in die unterschiedlichsten Projekte der Schülerinnen und Schüler. So beschäftigte sich die Q4 sowohl mit Architekturmodellen als auch mit Modedesign, während der Schwerpunkt bei den im A-Bau ausgestellten Arbeiten der Kurse aus der E-Phase auf Landschaftsmalereien lag. Selbstverständlich konnten sich die zahlreichen Ausstellungsbesucherinnen und -besucher auch ein Bild vom Projekt des Leistungskurses der Q2 unter der Leitung von Alexander Wessinger machen: In Video und Infotafel wurden die Etappen der Verhüllung des Wiesbadener Reiterdenkmals gezeigt.

Dem häufig verbreiteten Klischee einer unpolitischen und beliebigen Jugend trat zudem Frederik Sievert entgegen. Durch sein filmisches und zeichnerisches Aufgreifen etlicher Zitate verschiedener Politikerinnen und Politiker der AfD gelang es ihm, deren zwischen Menschenverachtung und Verfassungsfeindlichkeit changierenden Aussagen bloßzustellen.

Insgesamt gelang es den beteiligten Schülerinnen und Schülern auf bemerkenswerte Art und Weise, ihrem eigenen Motto zu folgen und in unterschiedlichen Formen vielfältige Gefühle sowohl zu transportieren als auch zu adressieren. Nicht zuletzt lag die große Stärke der Ausstallung darin, die zahlreichen Besucherinnen und Besucher zum Innehalten anzuhalten.