Enthüllung klein
Foto: Hessischer Landtag

Das Schneechaos tat der guten Stimmung keinen Abbruch: Am 19. Februar wurden die acht Kunstwerke enthüllt, die ab sofort das eingehauste Denkmal Wilhelms von Oranien auf dem Wiesbadener Schlossplatz schmücken. Landtagspräsidentin Astrid Wallmann: „Die Kunstaktion ist ein tolles Format!“ 

Acht farbkräftige, abstrakte Kunstwerke sind ab sofort auf dem Wiesbadener Schlossplatz zu besichtigen. Auf Einladung der Stadt Wiesbaden und initiiert von Harald Hamm von Gramenz Garten- undLandschaftsbau, der die Ertüchtigungsmaßnahme des Wiesbadener Schlossplatzes als Bauleiter beaufsichtigt, und dem Museum Reinhard Ernst, vertreten durch Eva Authried, Leiterin der Vermittlung, übernahmen zwei Kunstkurse die künstlerische Gestaltung. Die Arbeiten entstanden in den letzten vier Monaten in den Kunsträumen einer Wiesbadener und einer Michelstädter Schule: Beteiligt an der Aktion waren der Kunst-Leistungskurs des Gymniasiums Michelstadt unter der Leitung des Kunstlehrers, Oberstudienrat Alexander Wessinger und Studiendirektorin Christiane Schwermer, sowie die IGS Alexej von Jawlensky Schule unter der Leitung des Kunstlehrers Esra Hofacker und der Stufenleiterin sowie Kulturschulbeauftragten der IGS, Tatjana Zens. Enthüllt wurden die Kunstwerke in Anwesenheit der Landtagspräsidentin Astrid Wallmann. Sie sagte: „Die Kunstaktion ist ein tolles Format und sicherlich eine eindrückliche Lernerfahrung für alle Schülerinnen und Schüler. Besonders schön an diesem Projekt finde ich, dass junge Menschen die Möglichkeit erhalten, eine zentrale Fläche in unserer Stadt zu bespielen und hier ihre Ideen und Kreativität zu präsentieren.“ Ebenfalls anwesend waren die Stadträtinnen Bettina Gies und Christine Jouaux-Frönd. Dem Museum Reinhard Ernst liegt mit dem Projekt die Vermittlung einer grundlegenden Botschaft am Herzen: „Nur gemeinsam sind wir stark. Wenn jeder die Möglichkeit erhält, sein Bestes zu sein und zu geben – dann entstehen wahre Kunstwerke. Die abstrakte Kunst ermöglicht es dabei, mehr als jede andere Kunstform, Ausdruck wie auch Projektionsfläche unserer Wünsche und Ideen zu sein,“ so Eva Authried, Leiterin der Kunstvermittlung am mre.Zur Vorbereitung hatten die Schüler:innen im November 2025 die Sammlung abstrakter Kunst des Museum Reinhard Ernst besucht. Nach einer theoretischen Einführung in das Thema abstrakte Malerei durch den Museumsdirektor, Dr. Oliver Kornhoff, und mre-Mitarbeiterin Blanka Slavik sowie der Besichtigung der Baustelle auf dem Schlossplatz hatten die Schüler:innen knapp vier Monate Zeit, ihre jeweiligen Kunstwerke zu entwickeln und auszuführen. Bemalt wurden acht großformatige Seekieferplatten à 2,50 m Breite x 1,25 m Höhe. Bei der Wahl ihrer Sujets und der Ausarbeitung Ihrer Ideen waren die Schüler:innen völlig frei. Esra Hofacker, Kunstlehrer an der IGS Alexej von Jawlensky Kulturschule: „Die Beschäftigung mit den Künstler:innen der abstrakten Kunst (auch der im MRE vertretenen) hat die Schüler:innen sehr inspiriert. Wir haben im Unterricht verschiedene Maltechniken ausprobiert, aber die individuelle Ausführung blieb den Schüler:innen überlassen. Der Fokus lag auf der Umsetzung eigener Visionen. Dies funktionierte in den von den Schüler:innen gebildeten Kleingruppen äußerst organisch und harmonisch.“ Oberstudienrat Wessinger, Kunstlehrer am Gymnasium Michelstadt, erklärte die Herangehensweise seines Kunst Leistungskurses: „Das Hauptaugenmerk lag auf der Improvisation. Der Besuch im Museum hat das noch einmal vertieft.Vor allem das Betrachten der Originale im großen Format hat die Schüler:innen sehr beeindruckt, auch, weil sie bisher mit dieser Art von Kunst und auch mit Kunst im Original wenig in Berührung gekommen sind. Die einzelnen Gruppen haben auf Din A2-Papier erste Entwürfe skizziert, die dann ins Großformat übertragen wurden. Sie waren dabei in ihrer Arbeit vollkommen frei. Die Schüler:innen hatten keinerlei Schwierigkeiten, ohne konkretes Motiv zu arbeiten und sich auf die reine, gegenstandslose Malerei und den dazugehörigen Malprozess einzulassen.“

Hintergrund der Aktion

Auf dem Wiesbadener Schlossplatz zwischen Marktkirche, Rathaus und Hessischem Landtag finden jährlich eine Vielzahl von Veranstaltungen statt: Der beliebte Sternschnuppenmarkt, das Weinfest und andere Großveranstaltungen sorgen für eine rege Nachfrage. Dadurch haben sich die Anforderungen an den Platz im Laufe der Jahre immer wieder verändert und müssen angepasst werden. Auch dem Wunsch der Bürger:innen nach Maßnahmen zur Klimaverbesserung in der Innenstadt soll dabei Rechnung getragen werden. Nach Planung und öffentlicher Ausschreibung wurde die Firma Gramenz Garten- und Landschaftsbau aus Wiesbaden vom Tiefbauamt der Stadt beauftragt, die aufwändigen Maßnahmen durchzuführen. 2000 Quadratmeter Natursteinpflaster, 700 Kubikmeter Baumsubstrat, 24 Großbäume, zwei unterirdische Zisternen zur Nutzung von 40.000 Litern Regenwasser sowie neue Strom- und Frischwasserversorgungsstellen für Schausteller werden bis Sommer 2026 auf dem Platz ver- und eingebaut. Die historischen Objekte des Schlossplatzes werden in diesem Zeitraum von der Firma Gramenz gesichert, so auch das Denkmal Wilhelms von Oranien, das dort seit 1908 steht. Als Schutz gegen Beschädigungen durch Baumaschinen und Lieferfahrzeuge wurde ein drei Meter hoher Holzzaun um den Sockel der Figur errichtet. Dieser wurde nun von kunstinteressierten Schüler:innen gestaltet. 35 Schüler im Alter von 13−21 Jahren haben sich an dem Projekt beteiligt. Im Museum Reinhard Ernst wurden die jungen Künstler:innen in die Grundlagen der abstrakten Malerei eingeführt. Die acht großformatigen Holztafeln und das benötigte Künstlermaterial stellten die Firma Gramenz und das Museum Reinhard Ernst zur Verfügung. Am 19. Februar 2026 wurden die entstandenen Kunstwerke am Denkmalwürfel auf dem Schlossplatz enthüllt und werden dort als Ausstellung im Freien in den folgenden Monaten zu besichtigen sein.Am 19. Februar bekannt wurde nun das Angebot der Wiesbadener Marktkirche, die Kunstwerke nach dem Rückbau der Baustelle auszustellen und für einen guten Zweck zu versteigern

Text: Kathrin Grün

Das Odenwälder Echo widmete sich der Enthüllung in seiner Ausgabe v. 03.03.2026.