abiturfeier.2020.LK.Sd.kleinKein Männerballett, keine Grußworte lokaler oder regionaler Vertreter, dafür aber sicherlich der schönste offizielle Rahmen, der unter den obwaltenden Umständen für die Vergabe der Abiturzeugnisse zu finden war: Wie alle Veranstaltungen des laufenden Jahres trägt auch die diesjährige Abiturfeier am Gymnasium Michelstadt einen besonderen Anstrich, aber keineswegs einen weniger feierlichen als sonst.

Ein Telephonat, ein kurzes persönliches Gespräch zwischen Oberstufenleiter Michael Kinstler und Bürgermeister Stephan Kelbert, dann war die Idee geboren, den Sitzungssaal des Parlamentes im Michelstädter Stadthaus für das den geltenden Bestimmungen unterworfene Prozedere zu öffnen. Und so zogen dann am Freitagabend die wie üblich festlich gekleideten und in freudiger Erwartung aufgeregten Absolventen nach schriftlichen und mündlichen Prüfungen sowie einem Dutzend Unterrichtsjahre zur Entgegennahme ihrer Zeugnisse ins Stadthaus ein. Ein ausgeklügelter Zeitplan, der die Schülerinnen und Schüler nach ihren acht A-Leistungskursen gestaffelt über den gesamten Nachmittag hinweg Aufstellung nehmen ließ, machte es möglich. Und zum Trost für die unsanft von Covid-19 ausgebremste Abi-AG unter der Leitung von Abiturientin Elina Hohenstein und Laura Przybylek – beide Trägerinnen des Sozialpreises für schulisches Engagement – erlaubte Hauptamtsleiter Matthias Nowak sogar einen Sektempfang und Corona-taugliche Häppchen im Brunnenhof des repräsentativen Gebäudes.

abiturfeier.2020.musiker.kleinAls sich dann noch die sieben Kolleginnen und Kollegen der Musikfachschaft als Swing-Combo unter dem Vordach der Außengebäude installierten, um jeden einzelnen Kurs mit einem Ständchen zu verabschieden, konnten auch die im Außenbereich gespannt auf ihre Kinder wartenden Angehörigen zuversichtlich lächeln – diese außergewöhnliche Verabschiedung wird niemand je vergessen.

Im Sitzungssaal fand Michael Kinstler für jeden Kurs persönliche Worte, einen guten Rat für die Zukunft oder einen kleinen Tipp aus seiner eigenen Lebenserfahrung, nachdem die Schulleiterin krankheitsbedingt lediglich ihre von Herzen kommenden Grüße übermitteln konnte. Unterstützt wurde der Oberstufenleiter von den drei Fachbereichsleitern sowie dem Sportkoordinator, der mit einem weiteren Sportkollegen die jeweilige Desinfektion der Tische vor jeder neuen Ausgaberunde zu einem munteren Happening werden ließ – Motto: Wir lassen uns die Stimmung nicht verderben!

Für diese gehobene Stimmung sorgten natürlich auch die herausragenden Leistungen des Jahrgangs und ein hohes ehrenamtliches Engagement. So wurde im Namen des Schulvereins Heiko Steiger für siebenjährige Mitarbeit in der SV mit dem Sozialpreis geehrt. Insbesondere seine Unterstützung bei Festen und Aktionen der SV war einzigartig, und zwar nicht nur im Bereich der medialen Ausstattung und Betreuung (Sound, Licht, Bild), sondern auch bezüglich seiner praktischen und handwerklichen Tätigkeiten. Er hinterlässt große Fußabdrücke. Auch Alessia Zwaer bekam diese besondere Auszeichnung des Schulvereins, und zwar für ihr Engagement in der AG „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Die Hobbykünstlerin hat überdies an vielen Stellen der Schule ihren gestalterischen Fingerabdruck platziert. Als langjährige zertifizierte Streitschlichterin an der Schule bekam Franziska Müller denselben Preis und kann künftigen Sechstklässlern damit zum Vorbild werden. 

Eine ganz andere Kategorie stellt die Auszeichnung der besten Sportler des Jahrgangs dar. Schulsportleiter und KreisschulsportkoordinatorDaniel Weber ehrte gemeinsam mit Kollege Jörg Lippmann Michael Daum, der die Medaille des „Pierre de Coubertin-Schulsportpreises 2020“ vom Landessportbund Hessen verliehen bekam. Das Bewegungstalent des VFL Michelstadt musste zwar kurzfristig die Gruppenprüfung im Fußball zugunsten einer Einzelprüfung im Schwimmen tauschen, doch die Pandemie konnte seine sehr guten Ergebnisse nicht behindern. Erstmals verlieh auch die Fachschaft Sport selbst eine Medaille für außergewöhnlichen Einsatz im und um den Sport. Er ging an Luca Rettig, der viele Jahre im unermüdlichen und selbstlosen Einsatz, etwa als Kampfrichter, Organisator, Betreuer oder Kurssprecher für die Schulsportkoordination, tätig war. 

Da die zu Ehrenden diesmal nicht gemeinsam auf die Bühne gerufen werden konnten, sondern auf ihre Tutorien verteilt saßen, gab es in jedem Kurs unterschiedliche Auszeichnungen. So durften beispielsweise die besten Abiturienten im Fach Englisch den Rosemary-Cadigan-Preis getrennt voneinander entgegennehmen. Ebenfalls auf zwei Kurse verteilt nahm Fachbereichsleiterin Christiane Schwermer die Auszeichnungen der besten Deutsch-Abiturienten vor und Fachbereichsleiter Franz Bürkle sprach den Philosophen seine Anerkennung aus. Auch für die Leistungen in den Fächern Mathematik, Biologie, Chemie und Physik gab es Einzelauszeichnungen, aber ganz besonders erfreut zeigte sich Fachbereichsleiter Richard Knapp, als er betonte, dass es noch niemals drei Abiturienten in einem Jahrgang gegeben habe, die mit der höchsten erreichbaren Leistungsstufe das „MINT-EC-Zertifikat“ entgegennehmen durften, nämlich „mit Auszeichnung“. Anerkannt werden nach bundesweit einheitlichen Regeln an zertifizierten MINT-EC-Schulen nicht nur überdurchschnittliche fachliche Leistungen im naturwissenschaftlichen Bereich, sondern auch Wettbewerbserfolge oder wissenschaftliche Hausarbeiten. Die Hürden für diese Auszeichnung sind sehr hoch, wie die beteiligten Institutionen (Hochschulrektoren- und Kultusministerkonferenz) bereits vermuten lassen. Philipp Kunik, David Saufhaus und Heiko Steiger sind die glücklichen Preisträger. 

abiturfeier.2020.symbolik.kleinDieser kurze Überblick zeigt, wie leistungsstark der scheidende Abitur-Jahrgang 2020 am Gymnasium Michelstadt war. Sechs Schülerinnen und Schüler schlossen ihre Prüfungen mit der Traumnote 1,0 ab: Lukas Ihrig, Atien Kosin, Philipp Kunik, Melina Mrkaljevic, Hannah Tropschug und Marius Walther. Doch nicht nur sie, sondern alle strahlenden Absolventen durften einen kursinternen Abschied von ihren jeweiligen Tutorinnen und Tutoren erleben, die ihnen persönliche Worte mit auf den weiteren Weg gaben – eine Geste, an die vor einigen Wochen noch kaum zu denken gewagt worden war.

Originalbeitrag Christiane Schwermer, 
im Odenwälder Echo vom 23.06. irrtümlich unter falschem Namen abgedruckt


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